Teakholzinvestment - eine riskante Anlage

Die Life Forestry Switzerland AG (LFS) mit Sitz im schweizerischen Stans bewirbt über das Internet die Direktinvestition in Teakbäume auf Plantagen in Costa Rica und Ecuador. Die Gesellschaft verspricht hohe Renditen von bis zu 12 % p.a., wobei selbst bei einer Marktpreisstagnation für Teakholz noch eine Rendite von 4,77 % p.a. in Aussicht gestellt wird. Dabei hebt LFS unter Verweis auf die Robustheit des Teakholzes die Risikoarmut dieses Green Investments hervor.

Tatsächlich sind die Risiken größer, als es die Eigenwerbung des Unternehmens vermuten lässt. Auch die rechtliche Bewertung des Geschäfts lässt klare Risiken erkennen. Da es sich nicht um ein klassisches Anlagegeschäft, sondern um ein Direktinvestment handelt, sind die Initiatoren nicht verpflichtet, über diese Risiken aufzuklären.

Lange Vertragslaufzeiten von 20 Jahren

Der mit der Gesellschaft geschlossene Kauf- und Dienstvertrag hat ausweislich der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eine Laufzeit von 20 Jahren. In den AGB ist für Schäden oder den Totalverlust infolge höherer Gewalt, d.h. Umweltkatastrophen, wie Brand, Sturm, Ungeziefer etc., sowie für leichte und mittlere Fahrlässigkeit der LFS oder ihrer Tochterfirmen ein Haftungsausschluss enthalten. Eine Ausfallversicherung existiert nicht.

Unabschätzbare Ausfallrisiken

In Hinblick auf die Robustheit und Widerstandsfähigkeit der auf den Plantagen angebauten  Teakbäume, die sie laut LFS vor Feuer und Ungezieferbefall schützen sollen, werden in Fachkreisen Zweifel geäußert. Laut Handelsblatt wachse das Plantagen-Teakholz mit 20 Jahren im Vergleich zu einem 40- bis 50-jährigem Wachstum bei Naturteak sehr schnell, was zu Lasten der Robustheit und Widerstandsfähigkeit gehe. Ferner könne jedes Holz brennen und ein Befall mit Ungeziefer sei nicht gänzlich auszuschließen („Zwölf Prozent und mehr – Die Grüne Rendite-Verlockung“, www.handelsblatt.com, 22.03.2012).

Auch lässt sich die Qualität der Bäume aus der Ferne nicht beurteilen. LFS garantiert zwar vertraglich die Bäume nach den Standards des Forest Stewardship Councils (FSC) zu bewirtschaften. Tatsache ist jedoch, dass nur die costaricanischen Plantagen der Life Forestry Costa Rica S.A. FSC-zertifiziert sind.

Zwar erhält der Käufer nach Vertragsschluss eine „Baum-Eigentumsurkunde“ von LFS. Laut Vertrag erwirbt der Käufer indessen kein Eigentum am Grund und Boden, auf dem die Bäume gepflanzt wurden. Nach deutschem Recht ist zudem der Eigentumserwerb von Bäumen, ohne den Erwerb des Grund und Bodens, auf dem sie stehen, nicht möglich. Mit anderen Worten: Der Käufer erwirbt weder ein Stück Plantageland, noch einen bestimmten Teakbaum, sondern lediglich das Recht, sich in 20 Jahren das Holz eines bestimmten Baumes nach dem Fällen anzueignen und sodann zu verwerten. Existiert der Baum allerdings nicht mehr oder ist dieses Recht aufgrund politischer oder rechtlicher Veränderungen in den betreffenden lateinamerikanischen Ländern nicht durchsetzbar, ist dieses Recht wertlos.

12 % Rendite?

LFS stellt bei einer Steigerung des Marktpreises für Teakholz von 3 % (Mid-Case) bis 6 % (Good-Case) pro Jahr eine Rendite von 7,92 % bzw. 11,06 % bis zu 12 % nach 20 Jahren in Aussicht. Analysten und Marktkenner äußern diesbezüglich Zweifel. Laut ARD-Ratgeber Geld ist eine Steigerung von 6 % sehr, sehr optimistisch bzw. wenig realistisch („Öko-Geldanlagen – Sind die Renditeversprechen realistisch?“, www.daserste.de, Sendung vom 30.06.2012). Laut Handelsblatt sei eine 6 %-ige Preissteigerung allein bei natürlichem Teak zu erwarten, während bei Plantagen-Teak lediglich 1 % realistisch sei („Wald-Anlagen rechnen sich erst spät - wenn überhaupt“, www.handelsblatt.com, 30.05.2011). Das Fazit des Handelsblatts ist daher eindeutig: „Diese Anlage ist hochspekulativ und wenig transparent“.

Mangelnde Transparenz

Der Vertrag mit LFS sieht vor, dass ein nicht näher bezifferter Anteil des Kaufpreises auf ein Rücklagenkonto bei der Life Forestry Foundation in Liechtenstein überwiesen wird. Diese Rücklagen sollen die Vertragsdurchführung in Hinblick auf Pflege, Ausforstung und Verkauf der Bäume sicherstellen, auch für den Fall der Insolvenz der LFS. Über die Höhe des überwiesenen Anteils wird nicht aufgeklärt. Auch auf Nachfrage verweigert LFS eine Auskunft, und das obwohl nach den AGB (Stand: März 2012) ein Kontrollrecht eingeräumt worden war, welches sich in den aktuellen AGB (Stand: April 2013) nicht mehr findet.

Unter Verweis auf ein Diskretionsinteresse von LFS wird ferner die Offenlegung der mit der Life Forestry Ecuador S.A. (LFE) und der Life Forestry Costa Rica S.A. (LFCR) bestehenden Dienstverträge, d.h. der Verträge mit denjenigen Firmen, die die Plantagen in Ecuador und Costa Rica betreiben, verweigert. Eine Überprüfung dahingehend, ob die ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Teakholzbäume in Lateinamerika vertraglich sichergestellt ist, kann somit nicht vorgenommen werden.

Deutscher Verbraucherschutz anwendbar

Obwohl die Life Forestry Switzerland AG ihren Sitz in der Schweiz hat und im Vertrag sowohl Schweizer Recht sowie die Zuständigkeit Schweizer Gerichte vereinbart ist, finden nach unserem Dafürhalten deutsches Recht und deutsche Verbraucherschutzbestimmungen Anwendung. Diese können unseres Erachtens darüber hinaus auch vor deutschen Gerichten geltend gemacht werden. Somit ist ein Widerruf des Vertrags weiterhin möglich, da bei Abschluss des Vertrags zu keinem Zeitpunkt über das Bestehen eines Widerrufsrechts durch LFS belehrt wurde.